Schrägband: selber machen und annähen

5 Min. LesezeitMaße in Zollcm – oben umschaltbar

Schrägband ist ein Stoffstreifen, der im 45°-Winkel zum Fadenlauf zugeschnitten wird. Im schrägen Fadenlauf dehnt sich der Stoff am stärksten, deshalb legt sich das Schrägband ohne Falten und Wellen um jede Rundung — Halsausschnitt, Armausschnitt, den runden Rand eines Topflappens. Du kannst es fertig kaufen oder in 15 Minuten aus deinem eigenen Stoff zuschneiden.

Fertig kaufen oder selbst machen

Fertiges Schrägband gibt es auf Rollen: aus Baumwolle, Satin oder Jersey, oft schon mit vorgebügelten Kanten. Es ist praktisch, passt aber nicht immer in Farbe und Stärke. Selbst gemachtes Schrägband aus dem Hauptstoff sieht sauberer und unauffälliger aus, und bei dünnen Stoffen bekommst du nur so eine gleichmäßige Kante.

Streifenbreite beim ZuschneidenFertige BreiteWofür
2,5 cm1 inetwa 0,6 cm¼ inHalsausschnitt und Armausschnitte bei dünnen Stoffen, Band nach innen
3,5–4 cm1⅜–1⅝ inetwa 1 cm⅜ inEinfassen von Halsausschnitt, Armausschnitten, Ärmelsaum
5–6 cm2–2⅜ in1,5–2 cm⅝–¾ inTopflappen, Deckenränder, Taschen

So schneidest du Schrägband zu

  1. Lege den Stoff in einer Lage aus. Klappe eine Ecke so um, dass die Querkante am Fadenlauf entlang liegt: Es entsteht ein Dreieck, die Faltlinie verläuft genau im 45°-Winkel.
  2. Bügle die Falte mit dem Bügeleisen und schneide entlang.
  3. Zeichne parallel zu dieser Kante mit Kreide Streifen in der gewünschten Breite und schneide sie zu. Am einfachsten geht das mit Lineal und Rollschneider.
Die Stoffecke ist zur Webkante umgelegt, so ergibt sich ein schräger Verlauf im 45°-Winkel.1
Die Streifen sind parallel zum Stoffbruch angezeichnet und zugeschnitten.2
1 — die Stoffecke ist zum Fadenlauf umgeklappt, so ergibt sich der schräge Verlauf im 45°-Winkel; 2 — die Streifen sind markiert und parallel zur Falte zugeschnitten.

So nähst du die Streifen zu einem langen Band zusammen

Die Streifen werden nicht quer, sondern im Fadenlauf aneinandergenäht — so wird die Naht schräg und verdickt das Schrägband nicht.

  1. Lege zwei Stoffstreifen rechts auf rechts im rechten Winkel übereinander, die Enden überlappen.
  2. Nähe diagonal von Ecke zu Ecke.
  3. Schneide die Nahtzugabe auf 0,5 cm¼ in zurück und bügle die Naht auseinander. Schneide die überstehenden Ecken ab.
Die Streifen liegen rechts auf rechts im rechten Winkel, die Naht verläuft diagonal.1
Die Naht ist auseinandergebügelt, der Streifen ist nun lang.2
1 — Streifen rechts auf rechts im rechten Winkel, diagonale Naht; 2 — Naht auseinandergebügelt, der Streifen ist nun lang.

Wenn du viel Schrägband brauchst (für eine Decke, eine Tischdecke), geht es schneller als Endlosband: Aus einem Stoffquadrat nähst du einen Schlauch mit Versatz um die Streifenbreite und schneidest ihn spiralförmig zu einem langen Band auf.

Das Quadrat ist diagonal durchgeschnitten.1
Die Dreiecke sind zu einem Parallelogramm zusammengenäht und durchgezeichnet.2
Der Schlauch mit Versatz um eine Streifenbreite wird spiralförmig aufgeschnitten.3
1 — Quadrat diagonal zerschnitten; 2 — Dreiecke zu einem Parallelogramm zusammengenäht und Linien eingezeichnet; 3 — Schlauch mit Versatz um eine Streifenbreite wird spiralförmig aufgeschnitten.

Schrägband vorbügeln

Zum Einfassen bügelst du das Schrägband vorher: beide Kanten zur Mitte, dann zur Hälfte. Praktisch geht das mit einem Schrägbandformer – ein Metalltrichter: Der Streifen läuft hindurch, und die Kanten falten sich von selbst unter das Bügeleisen. Ohne Former bügelst du die Kanten mit dem Eisen und hältst sie mit einer Stecknadel am Bügelbrett fest.

Bevor du das Band an eine Rundung nähst, bügle es in Form: Ziehe eine Kante mit dem Eisen leicht und biege das Band zu einem Bogen. So liegt es faltenfrei.

Kanten mit Schrägband einfassen

Beim Einfassen umschließt das Schrägband die Kante von beiden Seiten und ist auf der rechten Stoffseite als Streifen sichtbar. Die zuverlässigste Methode mit der Maschine:

  1. Klappe eine vorgebügelte Kante des Schrägbands auf und lege es rechts auf rechts auf die linke Stoffseite des Teils, Kante auf Kante.
  2. Nähe entlang der Bügelfalte des Schrägbands fest.
  3. Schlage das Schrägband über die Kante auf die rechte Stoffseite und verdecke damit die Naht.
  4. Steppe von der rechten Stoffseite aus knapp neben der Kante des Schrägbands, 1–2 mm⅛ in von der Bruchkante entfernt. Auf der linken Stoffseite verläuft die Naht dann auf dem Schrägband direkt neben der Naht.
Schrägbandan die Kante nähenüber die Kante umschlagenfestnähen
Einfassen: Schrägband an die Kante nähen, über die Kante klappen, feststeppen.

Bei Topflappen und Taschen wird das Schrägband oft in einem Arbeitsgang von beiden Seiten mit einer Naht festgesteppt, indem die Kante in das gefaltete Band gelegt wird. Das geht schneller, aber die Naht erfasst den unteren Rand manchmal nicht. Für Anfänger ist die Methode in zwei Schritten sicherer.

Halsausschnitt und Armausschnitte mit Schrägband

Am Halsausschnitt kannst du das Schrägband auf zwei Arten einsetzen.

Einfassen (Schrägband ist auf der rechten Stoffseite sichtbar). Das machst du wie oben beschrieben. Beginne an der Schulternaht und verbinde die Enden des Schrägbands mit einer schrägen Naht oder schlage das eine unter das andere.

Schrägband nach innen (auf der rechten Stoffseite ist nur die Naht sichtbar). So wird der Halsausschnitt bei Kleidern, Blusen und T-Shirts verarbeitet:

  1. Schneide die Nahtzugabe am Halsausschnitt ab, falls eine vorhanden war: Der Halsausschnitt wird knappkantig verarbeitet.
  2. Falte das Schrägband längs in der Mitte, linke Stoffseite innen, und lege es mit den Kanten an die Kante auf die rechte Stoffseite des Halsausschnitts. Nähe es 0,6–0,7 cm¼ in von der Kante entfernt fest.
  3. Schneide an den Rundungen Kerben in die Nahtzugabe, 1–1,5 cm⅜–⅝ in tief, ohne die Naht 1 mm⅛ in zu erreichen.
  4. Klappe das Schrägband komplett auf die linke Stoffseite, ziehe die Naht glatt, sodass das Schrägband auf der rechten Stoffseite nicht mehr zu sehen ist, und bügle es.
  5. Steppe von der rechten Stoffseite knapp neben der Kante des Schrägbands, 0,5–0,6 cm¼ in vom Rand des Halsausschnitts entfernt.
Das Schrägband ist an die rechte Stoffseite des Halsausschnitts genäht.1
Die Nahtzugabe ist an der Rundung eingeschnitten.2
Das Schrägband ist nach innen geklappt, auf der rechten Stoffseite ist nur eine Naht zu sehen.3
1 — das Schrägband ist an die rechte Stoffseite des Halsausschnitts genäht; 2 — die Nahtzugabe ist an der Rundung eingekerbt; 3 — das Schrägband ist nach innen geklappt, auf der rechten Stoffseite ist nur eine Naht sichtbar.

Die Armausschnitte werden genauso verarbeitet; die Enden des Schrägbands verschwinden in der Seitennaht, wenn die Seiten danach zusammengenäht werden. Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Schrägband findest du auf den Schnittseiten für T-Shirt, Top, Trägerkleid und Schürze.

Häufige Fehler

Was nicht stimmtWarumSo behebst du es
Der Halsausschnitt steht steif ab oder wellt sichdas Schrägband wurde nicht im 45°-Winkel zugeschnittenneu zuschneiden, streng diagonal, Winkel prüfen
Der Halsausschnitt hat sich gedehntdas Schrägband wurde beim Annähen gezogenan konkaven Stellen das Schrägband leicht dehnen, den Halsausschnitt aber nicht
Falten im Schrägband an der Rundungdas Schrägband wurde nicht in Form gebügeltvor dem Annähen mit dem Bügeleisen in einen Bogen formen
Die Naht ist auf der linken Stoffseite vom Schrägband abgerutschtdas Schrägband ist schmaler als die Kanteentlang der Bügelfalte des Schrägbands annähen, nicht entlang der Kante; langsam von der rechten Stoffseite nähen