Kleid nähen
Ein Kleid ist anspruchsvoller als ein Rock: Es hat Schultern, einen Halsausschnitt, Armausschnitte, oft Ärmel und einen Reißverschluss. Aber die Reihenfolge beim Nähen ist bei fast allen Kleidern gleich, und wenn du sie einmal an einem einfachen Modell verstanden hast, läuft der Rest wie von selbst. Hier erfährst du, welches Modell du zuerst nähen solltest, welche Maße du brauchst und wie du Schritt für Schritt vorgehst.
Welches Kleid du zuerst nähen solltest
| Modell | Schwierigkeit | Was dazugehört |
|---|---|---|
| Jerseykleid | einfach | kein Reißverschluss und keine Abnäher, aber du brauchst eine Overlock oder einen elastischen Stich |
| A-Linien-Kleid | einfach | lockere Silhouette, Brustabnäher, Reißverschluss oder Ausschnitt ohne Verschluss |
| Trägerkleid | einfach | ärmellos, Halsausschnitt und Armausschnitte mit Beleg oder Schrägband versäubert |
| Gerades Kleid | mittel | Abnäher, Reißverschluss im Rückteil, Ärmel optional |
| Kleid mit Taillennaht | mittel | Oberteil und Rock separat, Raffung oder Falten |
| Wickelkleid | mittel | kein Reißverschluss, die Kanten müssen sauber verarbeitet werden |
| Etui-Kleid | anspruchsvoller | liegt eng an der Figur an – du brauchst eine Anprobe am Probemodell |
| Hemdkleid | schwierig | Stehkragen, Knopfleiste, Manschetten |
Nähe zuerst ein A-Linien-Kleid oder ein Trägerkleid aus Baumwolle: Die lockere Silhouette verzeiht Ungenauigkeiten, und der Stoff lässt sich gut verarbeiten. Wenn du eine Overlock hast, nimm ein Jerseykleid – das ist an einem Abend genäht.
Maße
Für ein Kleid brauchst du Maße für Oberteil und Unterteil. Pflicht sind Brust-, Taillen- und Hüftumfang sowie die Länge vom Rücken bis zur Taille. Die übrigen (Rückenbreite, Schulterlänge, Armausschnitttiefe) berechnet unser Pattern Maker bei Bedarf selbst.
Brustumfang
Das Maßband waagerecht über die stärkste Stelle der Brust, hinten etwas über den Schulterblättern, unter den Achseln. In deinem gewohnten BH, nicht zu stramm ziehen.
Meist 80–130 cm31½–51⅛ in.
Taillenumfang
Das Maßband waagerecht um die schmalste Stelle deines Oberkörpers, meist 2–4 cm¾–1⅝ in über dem Bauchnabel. Zieh es eng an, aber ohne einzuschnüren; den Bauch nicht einziehen.
Üblich sind 58–110 cm22⅞–43¼ in.
Hüftumfang
Das Maßband waagerecht um die stärkste Stelle des Gesäßes, dabei die Bauchwölbung mit einbeziehen. Stell dich gerade hin, Füße zusammen.
Üblich sind 84–130 cm33⅛–51⅛ in.
Rückenlänge bis zur Taille
Neige den Kopf: Am Halsansatz hinten ist ein vorstehender Wirbel zu tasten. Von dort das Maßband abwärts entlang der Wirbelsäule bis zum Taillenband.
Üblich sind 37–44 cm14⅝–17⅜ in.
Oberbrustumfang
Das Maßband waagerecht unter den Achseln, vorn über der Brust, hinten über die Schulterblätter. Der Unterschied zum Brustumfang zeigt, wie stark die Brust hervortritt: Davon hängt der Brustabnäher ab. Du kannst auch 0 lassen — dann rechnen wir mit einer durchschnittlichen Brust.
Üblich sind 3–8 cm1⅛–3⅛ in weniger als der Brustumfang.
Stoff und Stoffverbrauch
Für dein erstes Kleid eignen sich Baumwolle (Popeline, Satin, Batist), Leinen mit Baumwolle oder ein mitteldichter Viskose-Jersey für die Jersey-Variante. Meide rutschige Stoffe und große Karos — die müsstest du an den Nähten aufeinander abstimmen.
Stoffverbrauch für Größe M (38–40):
| Kleid | Länge | Breite 140 cm54 in | 150 cm60 in |
|---|---|---|---|
| Jersey | Rückenlänge 95 cm37⅜ in | 1,65 m1⅞ yd | 1,65 m1⅞ yd |
| Gerade | Rockteil 55 cm21⅝ in | 1,30 m1½ yd | 1,05 m1¼ yd |
| A-Linie | Rockteil 55 cm21⅝ in | 1,30 m1½ yd | 1,30 m1½ yd |
| Etui | Rockteil 55 cm21⅝ in | 1,30 m1½ yd | 1,05 m1¼ yd |
| Mit Taillennaht | Rock 60 cm23⅝ in | 1,40 m1⅝ yd | 1,20 m1⅜ yd |
| Mit Wickeloptik | Rock 60 cm23⅝ in | 2,05 m2¼ yd | 2,05 m2¼ yd |
| Hemdkleid | Länge 100 cm39⅜ in | 1,80 m2 yd | 1,80 m2 yd |
| Glockenrock | Rock 70 cm27½ in | 1,75 m2 yd | 1,55 m1¾ yd |
Füge 10–20 cm3⅞–7⅞ in hinzu, wenn der Stoff kariert, gestreift oder mit einem Muster in eine Richtung bedruckt ist. Alle Maße findest du im Artikel Stoffverbrauch.
Schnittmuster und Probemodell
Jedes Kleid basiert auf einem Grundschnitt: ein Oberteil mit Brustabnäher plus ein Rockteil. Je enger das Kleid sitzen soll, desto wichtiger ist es, dass der Grundschnitt genau nach deinen Maßen erstellt wird. In unserem Pattern Maker dauert das nur eine Minute: Du gibst deine Maße ein und erhältst ein Schnittmuster, das in Originalgröße auf A4-Seiten gedruckt wird.
Für körpernahe Kleider (Etui, gerade, mit Taillennaht) nähst du zuerst ein Probemodell aus einem alten Bettlaken oder günstigem Baumwollstoff – ohne Versäubern der Kanten, mit großen Stichen. Ziehe es an und prüfe die Passform an Brust, Taille, Schultern und Rückenlänge. Übertrage alle Änderungen auf das Papierschnittmuster und schneide erst dann den Hauptstoff zu. Das dauert eine Stunde und rettet teuren Stoff.
Nähreihenfolge
Bei den meisten Kleidern aus Webstoffen ist die Reihenfolge so:
- Vorbereitung. Wasche oder dämpfe den Stoff. Schneide die Teile zu, markiere die Knipse und nähe sofort Verstärkungsnähte an Halsausschnitt und Taille.
- Abnäher. Nähe Brust- und Taillenabnäher, bügle sie: Brustabnäher nach unten, Taillenabnäher zur Mitte.
- Reißverschluss in der rückwärtigen Mittelnaht, falls vorhanden. Wie das geht, erfährst du im Artikel Reißverschluss einnähen.
- Schulternähte – zusammennähen, versäubern, nach hinten bügeln.
- Halsausschnitt – mit Beleg, Schrägband oder Futter des Oberteils. Schrägband ist am einfachsten für den Anfang.
- Ärmel. Am einfachsten nähst du die Ärmel in den offenen Armausschnitt ein, bevor die Seitennähte geschlossen sind. Dann werden Seitennaht und Ärmelnaht in einer Naht zusammengenäht.
- Seitennaht — zusammennähen, versäubern, auseinanderbügeln. Jetzt anprobieren: Noch kannst du an den Seiten enger machen.
- Saum von Kleid und Ärmeln — einschlagen und festnähen.
- Finale Bügelrunde durch ein Bügeltuch.
Zu jedem Schnitt gibt es auf der Schnittseite eine eigene Schritt-für-Schritt-Anleitung: zum Beispiel für das gerade Kleid oder das Kleid mit Taillennaht.
Jerseykleid: das solltest du wissen
- Nähe mit einer Jerseynadel (mit abgerundeter Spitze, Kennzeichnung „Jersey“ oder „Stretch“) — eine normale Nadel zersticht die Maschen.
- Die Naht muss dehnbar sein: Overlock, schmaler Zickzack oder elastischer Stretchstich. Eine Geradstichnaht reißt beim ersten Tragen.
- Verstärke die Schulternähte mit Nahtband oder Bügelvlies, sonst leiern sie aus.
- Den Halsausschnitt fasst du mit einem Streifen Bündchenstoff oder dem Jersey selbst ein, der 15–20 % kürzer als der Ausschnitt ist.
- Den Saum schlägst du einmal ein und nähst ihn mit der Zwillingsnadel: Zwei parallele Nähte dehnen sich mit dem Stoff mit.